Restauration des Brunnenhauses
Das Brunnenhaus, das laut Geschichtsschreiber im Jahre 1662 von einem
Brunnen-bauer namens Bader aus Imst/Tirol erbaut wurde, wurde von Grund auf
saniert und renoviert im Jahre des Heils 2000/2001.
Das Brunnenhaus mit dem Brunnen war schon beinahe dem Zerfall Preis gegeben.
Der damalige Superior des Claretinerordens, P. Alois Andelfinger gab den
Anstoß zur Erhaltung des Bauwerkes
Da ergriff im März 2000 eine Gruppe Senioren aus Spaichingen unter Anleitung
von Herrn Franz Laux aus Spaichingen die Initiative, das Brunnenhaus zu
sanieren und der Nachwelt zu erhalten.
Bei dieser Gelegenheit wurde die Eingangstür (ehemals Nordseite) auf die
Ostseite verlegt. Somit hat man einen wunderschönen Blick hinüber nach
Kolbingen.
Es wurde mit der Sanierung am 4. März 2000 begonnen. Zuerst mussten die
Außenmauern unterfangen werden, dann der Dachstuhl und die Holzbalken
teilweise ausgewechselt werden. Dann wurde eine neue Lattung für die
Dachziegel aufgebracht. Die Ziegel wurden von einem alten Bauernhaus in
Neuhausen/Eck (neben der ev. Kirche) abgetragen, geputzt und damit das Dach
neu gedeckt. Es waren etwa 3200 Dachziegel. Diese Ziegel reinigte ein Mann
namens Wilfried Wenzler und Karl Kohler aus Spaichingen, die man dann
humorvoller weise die Plattenputzer nannte.
Der Brunnen selber wurde durch die freiwillige Feuerwehr am 28. April 2001
aus-gepumpt und gereinigt. Hauptakteur war Reinhold Bühler.
Anschließend wurden die Mauern in kleinster und mühevoller Arbeit durch
Franz Laux vollends ausgebessert. Franz Laux bürstete die Holzbalken mit
ganz viel Ausdauer und Liebe, so dass der Dachstuhl und seine Konstruktion
zu einem wirklichen Schmuckstück wurden. Die Fenster und die Türe wurden
Herrn Norbert Weber, Schreinermeistersenior, in Auftrag gegeben.
Mitarbeiter zum Gelingen dieses Werkes waren:
1. Fanz Laux Bauführer,
ehemals Gas- und Wassermeister Karlstr. 3 - Spaichingen
2. Hermann Aicher Architekt
3. Reinhold Bühler Maurermeister
Bubsheimerstr. - Spaichingen
4. Rudolf Grimm Zimmermeister (Ruhestand)
Kepplerstr.17 Spaichingen
5. Helmut Gellert Dachdeckermeister (Ruhestand)
Karpfenstr. 5 Spaichingen
6. Karl Kohler Schreiner/Bürokaufmann
Birkenstr. 3 Spaichingen
7. Wilfried Wenzler Gipser/Hausmeister
Hochsteig 5 Spaichingen
8. Karl Honer Sudetenstr. 3 78549 Spaichingen
9. Edi Hein Postbeamter
Am Heidegraben 6 Spaichingen
10. Hubert Dreher-Hager - In der Bleiche -
11. Bleicherbauer
Landwirt unterhalb des Dreifaltigkeitsberges
12. Paul Fritz Metzgermeister
Vorgasse 15 Spaichingen
13. Hans Huber aus Böttingen
14. Heiner Villing aus Gosheim
15. Anton Stengler LKW-fahrer
16. Manfred Dreher Dreifaltigkeitsbergstr. 45 Spaichingen
17. Widmann Meinrad Malermeister in Spaichingen
18. Freiwillige Feuerwehr in Spaichingen
19. Siegfried Eberle Kommunikationselektroniker -
wohnte derzeit auf dem Berg als Aspirant des Klosters
20. Helmut Schmid Fliesenleger
Spaichingen
21. Norbert Weber Schreinermeister
Dreifaltigkeitsbergstr. 35, Spaichingen
22. Manfred Hauser Spaichingen
23. Peter Winker Spenglermeister Spaichingen
24. Kruschinski Lothar
25. Herr Schneider aus Gosheim
26. Hauser Martin hat Brunnentrog gestiftet vor dem Brunnenhaus
Die Renovationen werden im Herbst des Jahres 2001 zu Ende gebracht.
Da aber ein richtiges Fest der Einweihung nicht fehlen darf wird die
eigentliche Einweihungsfeier ins Frühjahr 2002 verlegt.
Der Tag des Denkmalschutzes findet am 9. September 2001 statt. Die Stadt
Spaichingen bittet uns das Brunnenhaus zur Besichtigung frei-zugeben. So ist
also die Möglichkeit gegeben, das Brunnenhaus an diesem Sonntag von 10.30
Uhr bis 17.00 Uhr zu besichtigen.
Der Brunnen diente den Bewohnern auf dem Berg als Wasserversorgung. Da das
Wasser aber nicht mehr ausreichte für Mensch und Tier, wurde mittels eines
Windrades das Wasser vom Karlsbrunnen auf den Berg in ein Reservoir gepumpt.
Später wurde diese Versorgung auf eine elektrische Pumpe umgestellt.
Beim Sanieren hatte man auch festgestellt, dass auch das Wasser der Dächer
in den Zisternenbrunnen zugeführt wurde und als Wasser für das Vieh sorgte.
Wir schreiben das Jahr 2001.
In dieser Zeit war Papst Johannes Paul II in Rom
General der Claretiner war P. Aquilino Bocos cmf
Provinzial der deutschen Provinz war P. Peter Schütz cmf
Gerhard Schröder, Bundeskanzler von Deutschland
Erwin Teufel Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg
Albert Teufel - Bürgermeister der Stadt Spaichingen
Dr. Michael Felder Stadtpfarrer von Spaichingen
Zur Gemeinschaft gehörten:
P. Alois Andelfinger cmf Superior
P. Hugo Beck cmf Vikar
P. Alois Dumler cmf
Br. Oskar Hettinger cmf
P. Matthäus Najarkulam cmf aus Indien
P. Eslin Pereira aus Indien cmf Ökonom
Es waren ebenso vier claretinische Schwestern aus Brasilien auf den Berg,
die den Haushalt führten, das Gästehaus betreuten und für die Sakristei
verantwortlich waren.
Die Gaststätte wurde seit Februar 1991 von Herrn Marco Peranovic, aus
Kroatien, mit seiner Frau Angelika und den Töchtern Julia und Vera betreut.
In diesem Jahr schlug am Himmelfahrtstag (24. Mai 2001) nachmit-tags um
15.35 Uhr der Blitz in die Kirche ein und zerstörte die A-larmanlage der
Kirche, die gesamte Telefonanlage, die Lautsprecher-anlage und die
Beichtglockenanlage.
Am Ende dieses Jahres ändert sich die Währung. Durch die Globali-sierung
erhalten einige Länder Europas die neue Währung, den Euro. Deshalb legen wir
dieser Urkunde einige Münzen bei.
1 Pfennig -
2 Pfennig
5 Pfennig
10 Pfennig
50 Pfennig
1 deutsche Mark
2 deutsche Mark
5 deutsche Mark
ergibt zusammen 8 Mark und 68 Pfennig.
Ein Liter Benzin kostete 2 Mark 17 Pfennig
Dreifaltigkeitsberg, den 31. Mai 2001
P. Alois Andelfinger cmf - Superior P. Hugo Beck cmf Vikar
P. Eslin Pereira cmf - Ökonom Franz Laux - Bauleiter
Diese Aufzeichnung wurde in die Brunnenspitze eingelegt als Andenken für die
Nachwelt.
Photos sollen kleine Erinnerungen festhalten und zurückbringen,
damit nicht vergessen wird, welch wunderbare und wertvolle Arbeit
hier geschaffen wurde. Das Brunnenhaus in neuem Glanz ist ein
Werk der Liebe zur Heimat, zum Berg und zu den Claretinern
In Neuhausen o. Eck
stand dieses alte Bauernhaus
von dem unsere starke Mannschaft trotz des
schlechten Wetters die handgemachten,
alten Ziegel vom Dach holte.
Franz Laux
Wilfried Wenzler
Hubert von der Bleiche
Gellert Helmut
Lothar Kruschinski
Huber Hans
Villing Heiner
Herr Schneider
So stand ich da,
verlassen, vergessen
einsam und unbeachtet.
So stand ich da,
das wertvolle Brunnenhaus von einst.
Wie sehnten sich durstige Menschen nach mir. Ihr erster Gang nach langem
Anmarsch war zu mir.
Ich hörte Ihre oft ihre Gespräche, Sorgen, ihr Schweigen und Lachen, ihre
Dankbarkeit und ihre Nöte.
So stand ich da - das Brunnenhaus von einst
Man hat mich entdeckt - gefunden
und ging an mein altes Gemäuer.
Wunden wurden geschlagen in die Mauern meiner Vergangenheit,
in die Jahresringe meiner Jahrhunderte
und Jahrzehnte
in meine Lebensgeschichte,
aber nur,
um mich zu heilen.
Um mich zu heilen,
um meiner Geschichte
wieder Bedeutung zu geben,
schlug er zu
mit dem großen Hammer,
um Verbranntes in mir zu löschen
um Vergangenes wieder zu wecken
um bröckelndes Gemäuer
wieder zum Sprechen zu bringen.
Es gab immer wieder welche,
denen ich nicht egal war,
die meiner Geschichte auf der Spur sind,
die mehr wissen wollen
über die Tiefe des Brunnens
vielleicht auch
über die Tiefe des eigenen Brunnens
des Brunnens, den wir Herz nennen.
Kannst du es sehen,
wie mein altes Gemäuer abbröckelte,
selbst auf diesen Bildern
kannst du riechen
den alten Moder,
kannst du sehen
meine Brüchigkeit.
Man musste mich stützen,
damit ich nicht einstürzte,
damit Menschen nicht in Gefahr kamen.
Hast Du es schon mal gewagt,
den Blick in den Brunnen,
den Blick ins Innere
den Blick in die Tiefe?
Dein Auge kann vieles erkennen,
kann manches erahnen.
Wie viele Eimer Wasser wurden hier
über den Brunnenrand schon gezogen,
wie viel Wasser verschüttet,
wie viele Gespräche schon geführt,
wie viele müde Menschen haben sich schon
auf meinen Brunnenrand gesetzt,
sich erholt, erfrischt....
Selbst außen musste manches gemacht werden,
um wieder Zugang zu mir zu verschaffen,
um mir wieder begegnen zu können.
Mit Maschinen aus unserer Zeit hat
Armin Schuhmacher
meiner Umgebung neues Gesicht gegeben
Wie wohltuend ist es,
wenn Neues entsteht,
wenn WERDEN die Menschen interessiert!
Viel Kraft,
so manchen Schlag auf harten Stein
hat er getan,
der Reinhold,
der Franz
der Karl
um Steine zu formen, die sich einfügen lassen
in mein altes Dasein
in meine gewordene Geschichte
in das Haus des Brunnens
in das Haus des Lebens.
Vieles in mir war schon zugeschüttet,
von vielem musste ich befreit werden.
Karren um Karren wurde aus mir,
aus dem Brunnenhaus herausgeholt.
Mein verschüttetes Dasein
wurde neu entdeckt,
Schaufel um Schaufel
und Karren um Karren
Und heimliche Freude
stieg aus meiner Tiefe,
wenn ich spürte,
dass Menschen sich wieder
für mich interessierten.
Menschen, die schon gar nicht mehr wissen
wie wichtig ich einstens war
als das Wasser noch nicht durchs Rohr
ins Haus kam.
Und wie eigenartig war es mir
als sich in mein Inneres
ein Mensch wagte,
als Reinhold meine Tiefe erforschte,
das kalte Nass ertastete
in der Dunkelheit meiner Tiefe
den Duft der Jahre einatmete
mit welcher Gelassenheit
er hinabsteigt
in meine Tiefe
Und wie die Feuerwehrmänner
kamen,
um mich auszupumpen
und wie erstaunt sie waren
über die Fülle meiner Wassermengen
über die Klarheit des Wassers
Wie sie sich engagierten
über diesen Einsatz
den es sicher nicht oft gab.
Ja,
sie machen es gründlich,
mein Dach,
das mich beschützte über Jahrzehnte
war morsch geworden
von den reichen Regengüssen,
von den schweren Schneemassen
von den Stürmen, die um meine Ecken heulten.
So sollte ich ein neues Dach bekommen.
Nur Fachmänner bemühten sich
um mich wie Grimm Rudolf
und Gellert Helmut
wie Franz und Fritze Paul
wie Huber Hans und Emanuel
wie Karl und Wiener
und viele andere.
Von meinem Dachgebälk
blieb fast nichts übrig.
Der Zahn der Zeit hatte
Gründlich gearbeitet.
Zu Asche wurden meine Reste,
wurde das morsche Holz
und mancher verkohlte Balken.
Was soll daraus noch werden?
Werde ich wirklich wieder heil werden,
so konnte man sich fragen.
Kaum zu glauben,
es wirkt so erfrischend und duftend,
das neue Holz
durchtränkt vom Harz
von der frischen Luft des Waldes.
Edi schneidet die Latten zurecht,
damit ein neues Dach mich schmücken kann.
Und der Wiener und der Karl
waren die Plattenputzer,
die von den alten Platten
die Spuren von Moos beseitigten,
damit sie mich wetterfest machen
gegen das Kommende.
Langsam wächst mein Stolz,
mein neuer Hut - mein Dach wird fertig.
Man nimmt mich allmählich wahr,
Und immer schöner, vollkommener
wird mein neues Dach,
Ziegel um Ziegel,
die einstmals geformt wurden
mit den Händen
aus Lehm und Erde,
gebrannt in glühender Hitze,
die so manchen Sturm erlebt.
Sie die alten Ziegel
erhalten eine neue Bestimmung
nämlich: den Geist einer langen Geschichte
zu erhalten und davon zu erzählen
Und ein Blick von innen
hinauf in die Höhe, bis zur Spitze
ein Konstruktion
von seltener Schönheit
geformt zum Kreuz
das hinaufweist zum Himmel
das zusammenfließen lässt
die Himmelsrichtungen
und hinausströmt
nach Süden und Norden
nach Osten und Westen
glückselig über das Geschaffene
ein Einheit - zusammenwirkend
stehen sie da, die mithelfen
Hand in Hand
Gedanken und Geist
Harmonie und Freundschaft
Das ist die Spitze
die hinaufragen soll in die Höhe
die hinaufzeigen soll wie ein Finger
die Spitze, die Krone der Brunnenstube
wird gefüllt mit einer Urkunde
mit Zeilen unserer Tage (siehe Urkunde)
mit Zeugen unserer Geschichte
Gedanken und Münzen
und mit den Namen all derer
ohne die
das Brunnenhaus nicht restauriert worden wäre.
In dieser Kuppel werden einmal finden
die Kinder der Zukunft - die Worte der Vergangenheit, Worte der Geschichte
und
werden sich freuen in ihrer Gegenwart.
Bis auf die Spitze getrieben
hat es der Franz,
der den Mut hatte
an der Basis zu beginnen.
Durch seine Liebe
und seinen Fleiß
mit seinen Ideen
und all den vielen anderen
Fanz Laux - Hermann Aicher - Reinhold Bühler - Rudolf Grimm - Helmut
Gellert - Karl Kohler - Wilfried Wenzler. -Edi Hein - Hubert Dreher-Hager -
Paul Fritz - Hans Huber - Heiner Villing - Anton Stengler - Meinrad
Widmann - Freiwillige Feuerwehr Spaichingen - Siegfried Eberle - Helmut
Schmid - Norbert Weber - Manfred Hauser - Peter und Martin Winker - Lothar
Kruschinski - Herr Schneider
steht es nun da
das Brunnenhaus.
In diesem Gebäude
Reichen einander die Hände
Vergangenheit
Gegenwart
Zukunft.
Und mögen Kinder
der kommenden Generationen
sich wieder bemühen Altes zu erhalten.
Mögen sie in diesem Haus des Lebens
dem Brunnenhaus
Ruhe finden und Schweigen lernen
Lieder singen und Gebete sprechen
Winter und Sommer erleben
Frühling und Herbst einatmen
dankbar sein für das Leben.
Das ist der Wunsch
des Schreibers
für den, der hier sich ausruht,
und zulassen kann
dass der Mensch beschenkt ist
mit Gaben und Fähigkeiten,
dass der Mensch aber nicht alles ist
sondern,
dass es IHN gibt,
den Ewigen, der umarmt:
Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft
P. Alois Andelfinger Claretiner
Superior
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