Entwicklungshilfe in Zaire
Bericht über das Wirken des Entwicklungshelfer-Ehepaars Thomas Gerhards und Ursula Bremm im Missionsgebiet der Claretiner in Kingandu in Zaire von Pater Hagen Müllers, Würzburg 20. August 1994 Als das Entwicklungshelfer-Ehepaar Thomas Gerhards und Ursula Bremm im April 1992 nach Kingandu kamen, galt es zunächst einen Standpunkt für das Ausbildungszentrum für Schreinerlehrlinge zu finden, das Thomas Gerhards gründen wollte. Da das Entwicklungszentrum von Kingandu (CDK) schon ein ähnliches Ausbildungszentrum für Jungbauern in Mbamba unterhielt, bot sich Mbamba geradezu an für die Verwirklichung der Pläne von Thomas. Die notwendigen Räumlichkeiten waren entweder schon vorhanden (Schlaf- und Studierräume für die Schreinerlehrlinge, Wohnhaus für die Gerhards) oder konnten rasch geschaffen werden (Garage für den Landrover der Gerhards, Wohnhaus für den eventuellen Nachfolger von Thomas, sobald der mit seiner Frau in die Heimat zurückkehren sollte). Die praktische Ausbildung der Schreinerlehrlinge findet ja ohnehin im Freien statt, unter einer Gruppe von schattenspendenden Bäumen; also unter ähnlichen Bedingungen, wie sie die Lehrlinge nach Abschluß ihrer zweijährigen Lehrzeit auch auf ihren Dörfern vorfinden werden. Bevor die eigentliche Arbeit begann, schaute sich Thomas in der für ihn erreichbaren Umgebung erst einmal in ähnlichen Schreiner-Ausbildungsstätten um und wählte mit Hilfe eines Testes aus einer ansehnlichen Gruppe von Interessenten 16 Lehrlinge aus, mit denen er im August die zweijährige Ausbildung anfing. Da die Lehrlinge von Anfang an unter den gleichen Bedingungen arbeiten sollen, die sie später auch auf ihren Dörfern vorfinden werden, verzichtete man auf jegliche Art von Maschinen, wie sie sonst in Schreinereien eingesetzt werden (Hobelmaschine, Kreis- und Bandsäge, etc), aber auchweitgehend auf Eisennägel und Schreinerleim. Man verwendete statt dessen Holzdübel. Eine weitere Schwierigkeit war die Verpflegung der Lehrlinge, die ja aus dem gesamten Missionsgebiet kamen (d.h. aus einem Umkreis von ca. 100 km). Doch wurde auch dafür eine Lösung gefunden, indem die Lehrlinge je zwei Sack Maniok und 1 Sack Mais lieferten und sich zudem einen Gemüsegarten anlegten. Von den Rinderherden, die das CDK in der Umgebung von Mbamba unterhält, fällt außerdem regelmäßig genügend Fleisch für die Schreinerlehrlinge, wie für die Jungbauern ab. Während der zwei Lehrjahre, lernen die Jungen all jene Möbel herzustellen, die bei den Leuten am meisten gefragt sind und gebraucht werden: Tisch und Stühle, verschiedene Arten von Sesseln, Kleiderbügel, kleine Hocker, wie sie die Frauen gerne haben, Meterstäbe, Kreuze, Schränke und Regale, Betten und Bänke. Darüber hinaus haben die Schreinerlehrlinge aber auch den Dachstuhl, die Fenster und die Türen für das Haus des Nachfolgers von Thomas hergestellt, sowie ein paar alte Ochsenkarren wieder hergerichtet. Die Lehrlinge stellen aber auch einen Teil des Werkzeugs her, das sie für ihre Arbeit brauchen. Bei der Entlassung bekommt dann jeder Lehrling eine Kiste mit einem kompletten Satz Schreinerwerkzeuge. Während Thomas zur Nachbetreuung der inzwischen schon entlassenen Schreinerlehrlinge viel unterwegs ist, arbeitet sein Nachfolger derzeit mit einer weiteren Gruppe von 15 Lehrlingen. Nicht weniger interessant als die Arbeit von Thomas Gerhards, ist die seiner Frau, Ursula Bremm. Seit 1973 hatte das CDK im Missionsgebiet von Kingandu zwei „Ernährungszentren" eröffnet, um dem Problem der Fehl- und Unterernährung der Kinder zu steuern. So wurden in Kingandu zwischen 1973 und 1987 mehr als 8.000 Kinder durch eiweißreiche Nahrung gesundgepflegt, darunter überwiegend Kinder, die an Kwashiokor und Marasmus litten. Während das Ernährungszentrum in Pay bis heute fehl- und unterernährte Kinder pflegt (deren Zahl aber auch dort merklich zurückgegangen ist), konnten wir das Ernährungszentrum von Kingandu 1988 schließen und es durch eine ganz neue Strategie ersetzen: nämlich die „Ernährungs-Erziehung". Da Frau Ursula Bremm an der Universität von Köln seinerzeit Ernährungswissenschaft studiert hatte, erhielten wir mit ihr genau jene Fachkraft, die wir für die „Ernährungs-Erziehung" brauchten. Unterstützt von einem Krankenpfleger und zwei Frauen mit einer entsprechenden Ausbildung und jahrelanger Erfahrung, werden dreimal im Jahr Gruppen von etwa 20 Frauen zu einem Ausbildungskurs eingeladen. Die Frauen wurden von der Dorfgemeinschaft ausgewählt und sollen vor allem das Vertrauen der Frauen ihres Dorfes haben und möglichst lesen und schreiben können. Durch Vorträge, Rollenspiele und Lieder, lernen sie während einer Woche alles, das für die Frauen in den Dörfern wichtig ist: das Zubereiten von eiweißreichen Gerichten mit Mitteln, die an Ort und Stelle vorhanden sind, bzw. sein sollten; den Anbau von Sojabohnen (die ja sehr eiweißreich sind); das Anlegen eines Gemüsegartens; das Pflanzen von Bäumen. Sie werden darauf vorbereitet, künftig bei der Gewichtskontrolle der Kinder im Vorschulalter sowie bei den Kinderimpfungen mitzuhelfen, die einmal im Monat im jeweiligen Gesundheitszentrum stattfinden. Darüber hinaus erhalten sie auch Kenntnis von den am häufigsten vorkommenden Krankheiten (Malaria, TBC, AIDS, etc) und wie sie bei Durchfall von Kindern diese mit einer Zucker-Salzlösung vor der Deshydration bewahren können. Sechsmal im Jahr werden jene Frauen, die inzwischen schon in ihren Dörfern aktiv sind, zu einem Fortbildungskurs eingeladen, wo der Grundausbildung dann noch Elemente beigefügt werden, die beim Leben in der Dorfgemeinschaft wichtig sind. Es wird auch eine möglichst gute Zusammenarbeit mit den fünf Agronomen des CDK angestrebt, die nicht nur die Kleinbauern des Missionsgebietes betreuen, sondern auch die Frauen in Fragen der Landwirtschaft beraten. Derzeit konnten im Fortbildungszentrum von Kingandu und in Mbamba mehr als 120 Frauen auf diese Aufgaben vorbereitet und später weitergebildet werden, denen sich inzwischen sogar noch 40 Männer hinzugesellt haben. Fernziel ist es, bis in drei Jahren wenigstens eine ausgebildete Frau bzw. einen Mann für jedes der 450 Dörfer unserer Gesundheitszone von Kingandu zu haben. Ähnlich wie auch ihr Mann Thomas, hat Ursula sich schon zeitig nach einem eventuellen Nachfolger umgesehen und den auch vielleicht in einem Mann gefunden, der in Kinshasa Ernährungswissenschaft studiert hat. Er nimmt seit einiger Zeit an sämtlichen Fort- und Grundausbildungskursen teil. Insgesamt kann man sagen, daß Thomas und Ursula in Mbamba und in Kingandu ein ideales Arbeitsfeld gefunden haben und daß sie dort bei einer lernwilligen und dankbaren Bevölkerung jene Pläne verwirklichen können, auf die sie sich nach ihrem Studium jahrelang sorgfältig vorbereitet hatten.
Anregungen: -Ziele der Lehre zum Schreinergesellen -Vergleich der Ausbildung dort mit deutscher Ausbildung -Unterschiede zwischen „Ernährungszentrum“ und Ernährungserziehung“ |