CLARETINER IM KONGO

Ein Dorf im Busch...

Das Einzugsgebiet von Kingandu, zu dem heute rund 120 000 Menschen gehören, war bis zur Missionsgründung im Jahr 1929 auf ein unbedeutendes Bambala-Dorf am Zusammenfluß von Yambeshi und Kwenge beschränkt. Es wurde zum Brennpunkt für eine segensreiche Entwicklung.

Bereits 1935 zählte man in diesem Gebiet 48 000 Einwohner. Wie auf den Nachbarstationen, so wurden auch hier zunächst Schulen errichtet. Während in Europa der Weltkrieg wütete, konnte in Kingandu das geräumige Patreshaus vollendet und die imposante Paulskirche geweiht werden. Es ging stetig gut voran: 1956 brannte erstmalig elektrisches Licht. Während die Erwachsenen darüber staunten, umtanzten die Schüler mit Freudensprüngen die Lampen, als wären es riesige Glühwürmchen. Bald kam auch fließendes Wasser für Haus und Küche.

Die Claretiner kommen...

Es war zu Beginn des II. Vatikanischen Konzils 1962, als drei deutsche Claretiner die Mission Kingandu in der Diözese Kikwit in Kongo übernahmen. Sie war bislang von flämischen Jesuiten und belgischen Schwestern betreut worden. Damit waren ihnen knapp 100 000 Leute anvertraut. Rund 45 000 davon waren Christen. Auf der Station gab es verschiedene Schulen mit insgesamt 1500 Schülerinnen und Schülern. Einheimische Schwestern arbeiteten mit einigen Hilfskräften im Krankenhaus, auf der Ambulanzstation, im Entbindungsheim. Die Knabenschule wurde von einheimischen Brüdern geleitet. Da waren auch die Handwerker, die Katechisten.

Bald kamen aus Deutschland ein weiterer Pater und ein Missionsbruder. Doch erst, als 1966 zwei Patres die Gemeinschaft weiter verstärkten, konnte die Seelsorge auf den zahlreichen Außenstationen besser organisiert werden: die Christen in den über 300 Dörfern wurden regelmäßig besucht, die pastoralen Einsätze im Busch draußen intensiviert. Bis dahin gab es nur ein zentrales Katechumenat in Kingandu selbst. Nun ging man dazu über, in dem einen oder anderen Außenzentrum eigene Kurse für die zweijährige Taufvorbereitung zu eröffnen. Das Ergebnis war ein verstärkter Zustrom zur Taufe. Die Neuchristen brachten in ihre Dörfer Schwung und Eifer.

Zwei Außenposten erwiesen sich als besonders fruchtbar und drängten auf eine größere Entfaltung hin: Mutelo und Pay-Kongila. Ersteres erhielt eine schöne Kirche, die 600 Personen aufnimmt, und ein Häuschen für den Pater. Aus Pay wurde ein Pfarrzentrum mit Kirche, Pfarrsaal, Patreshaus und Schwesternbezirk. Claretinerinnen übernahmen 1975 vielfältige Dienste in der Katechese, in der Höheren Schule, in der Sorge um Kleinkinder und Kranke, sowie in der sozialen Förderung und Besserstellung der Frau.


 

 

Wachsendes Christenleben...

Nach und nach bildeten sich im Schoß der kleinen christlichen Gemeinschaften, die für den Aufbau der jungen Kirchen in Afrika kennzeichnend sind, Komitees heraus, überall dort, wo Männer und Frauen bereit waren, ihr Teil an Mitverantwortung zu tragen.

Die Legio Mariens, 1966 in Kingandu eingeführt, breitete sich rasch aus und besteht bis heute. In etlichen Dörfern haben die Legionäre wesentlich zur Schaffung eines christlichen Milieus beigetragen. Vielfach übernehmen sie Schlüsselrollen, wie die des Katechisten. Sie machen sich die Nöte der Kranken und Alten zu eigen. Sie haben maßgeblich mitgeholfen, in den Busch-Dörfern priesterlose Wortgottesdienste am Sonntag einzuführen und aufrecht zu erhalten.

Nach dem Vorbild und Charisma des heiligen Claret, zielt die Arbeit und Heilssorge unserer Missionare und ihrer engsten Mitarbeiter in Kingandu vor allem auf drei große Hauptbereiche:

o Verkündigung des Gotteswortes auf den verschiedenen Ebenen

o Die Eucharistie als Herzmitte christlicher Gemeinschaft

o Dienende Liebe zur Besserstellung der Menschen

Evangelium und Entwicklungshilfe...

Unsere Missionare in Kingandu machten sich von Anfang an Entwicklungsprojekte zu eigen. Sie umfaßten die Grundschul-Ausbildung im dörflichen Buschgebiet, medizinische Betreuung, soziale Fürsorge bis ins Hinterland, Förderung der Landwirtschaft. Die Mitbrüder haben bei ihrer missionarischen Arbeit den ganzen Menschen im Blick. Sie wollen nicht versäumen, die Voraussetzungen für ein menschenwürdiges Leben schaffen zu helfen, damit das Samenkorn der Frohen Botschaft in fruchtbares Erdreich fallen kann.

Primitive Schulschuppen wurden allmählich durch Gebäude aus festem Mauerwerk ersetzt. Das Gesamtgebiet von 4000 qkm wurde in 18 Schuldirektionen aufgeteilt. Nun besteht das Lehrpersonal fast ausschließlich aus einheimischen Kräften. Ist dies nicht ein Zeichen dafür, daß unser Engagement im Schulwesen sich als gelungene „Hilfe zur Selbsthilfe" erweist?

Für den kranken Menschen...

Medizinische Betreuung und Krankendienst an der Bevölkerung gehören zu den vordringlichsten Aufgaben. Die Männer-, Frauen- und Kinderabteilung des ärztlich gut versorgten Krankenhauses, sowie das Entbindungsheim sind gewöhnlich stark überbelegt. In der Ambulanz werden an manchen Tagen 500 und mehr Kranke versorgt. Auf ca. 30 Außenposten werden monatlich Mütterberatungen durchgeführt. Vorbeugende Medizin soll den Gesundheitszustand zumal der Säuglinge und Kleinkinder heben, aufbauenden Unterricht in Hygiene, Kinderpflege und Hauswirtschaft geben.

Hilfe zur Selbsthilfe...

Seit dem Konzil hat im Verständnis dessen, was Mission ist und was sie will, nicht nur in Europa, sondern vor Ort bei den Missionaren selbst, ein Wandel stattgefunden. Die anhand des Evangeliums verkündeten Werte sollen sich in begründeter Hoffnung und innerer Befreiung bewähren. In diesem christlichen Sinn wurde im Rahmen des Möglichen Ersatz geschaffen für mangelnde - vom Staat zu organisierende - Infrastruktur von der Postbeförderung bis hin zum Aufbau eines Rinderbestandes und eines großen Silos. Sogar der Unterhalt von Fahrwegen und ein Transportangebot gehören dazu.

Der Weg in die Zukunft...

Unsere Missionare versuchen, die Talente unter den afrikanischen Christen zu entdecken und zu fördern. Für die Eigenverantwortlichkeit der Basisgemeinden werden fähige Männer und Frauen als Katecheten oder als qualifizierte „Animateure" eingesetzt. Diese rufen zum gemeinsamen Gebet und zu Glaubensgesprächen, bereiten für die Sakramente vor und versuchen, die Totenklage mit christlichen Glaubenselementen zu durchdringen.

Seit 1980 haben wir in Kongo nach sorgfältiger Auswahl erste einheimische Kandidaten aufgenommen. 1982 wurde in der Umgebung von Kinshasa, in Mont Ngafula, ein Studienhaus für unsere jungen Mitbrüder aus Kongo und anderen afrikanischen Ländern errichtet. Am 15. Juli 1990 wurden die erste zwei Kongosischen Claretiner zu Priestern geweiht. Am 17. Juli 1994 wurden wieder drei Kongolesische Claretiner zu Priestern geweiht. Jetzt zählen wir Claretiner in Kongo zehn Kongolesische Priester, zwölf Studenten und fünfi Novizen.

Auch haben wir im Jahr 1994 in der Bischofsstadt Kikwit eine Pfarrei übernommen und eine neue Niederlassung gegründet. Kongolesische Mitbrüder werden nach ihrer vollen Ausbildung dort einen verheißungsvollen Dienst übernehmen können: Pfarrarbeit, Seelsorge unter den Studenten der Schulen von Kikwit, Betreuung verschiedener religiöser Gemeinschaften.

Bis die europäischen Missionare jedoch ganz entbehrlich werden, sind noch viel Zeit und Geduld erforderlich. Aber bereits ist in den jungen Kirchen ein Ablösungsprozeß erkennbar.


 

CLARETINER IM KONGO

Anregungen:

-Kongo: Kartenarbeit

-Zeitleiste zur Entwicklung der Missionsstation

-Stationen / Häuser, die dort aufgebaut werden

-Bgriffe: II. Vatikanisches Konzil, Katechumenen, Legio Mariens, Hilfe zur Selbsthilfe

-Missionsarbeit definieren

-Hauptbereiche der Mission und deren konkrete Umsetzung

-Weg in die Zukunft

-Den „ganzen Menschen“ im Bild haben

-Mk. 16, 15-18 im Vergleich zur Misionssituation

 

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