BRÜDER IN DER GEMEINSCHAFTDER CLARETINER
Von Anfang an... Als Pater Claret am 16. Juli 1849 die Claretiner gründete, zählte die neue Gemeinschaft sechs Mitglieder: P. Claret und fünf weitere Diözesanpriester. Sie hatten sich zusammengeschlossen, um im gemeinschaftlichen Leben und Beten Kraft zu finden, um den Menschen ihrer Zeit das Wort Gottes zu verkünden und sie zu Gott zurückzuführen. Das war ihr erklärtes Ziel, und dazu wollten sie alle Mittel anwenden, die für sie in Betracht kamen. Wenn man weiß, wie sehr P. Claret bestrebt war, auch Schwestern, Lehrer, Eltern, ja überhaupt alle Menschen zu Verkündern der Frohen Botschaft zu machen, dann ist es nicht verwunderlich, daß auch die Gemeinschaft der Claretiner bald nicht mehr nur Priester umfaßte. Auch andere Männer fühlten sich von den Idealen Clarets angezogen und wollten mitarbeiten. Wann die ersten Brüder eingetreten sind, läßt sich nicht mit Sicherheit feststellen, weil anfangs die Bindung an die Gemeinschaft ziemlich lose war. Es muß aber schon in den allerersten Jahren nach der Gründung gewesen sein. Die Brüder werden nämlich so selbstverständlich als Teil der Kongregation erwähnt, daß man lesen kann: „Unserer Kongregation haben sich von Anfang an auch Laien (d. h. Nichtpriester) angeschlossen, um auf ihre eigene Weise Mitarbeiter bei der Sendung der Kongregation zu sein." Gemeinsamer Grundauftrag... Außenstehende meinen manchmal, in Ordenshäusern sei es so: Die Patres sind die Herren, und die Brüder sind eine Art Diener, die die Hausarbeit machen, ohne dafür viel Anerkennung zu finden. Darum sei es auch kein Wunder, wenn niemand mehr Bruder werden möchte. Wer wollte denn schon ausschließlich „niedrige" Arbeit verrichten? In Wirklichkeit sind die Brüder Vollmitglieder der Gemeinschaft wie die Patres. Sie legen die gleichen Gelübde ab und haben darum auch die gleichen Rechte und Pflichten. Was die Hausarbeit angeht, hat das Generalkapitel ausdrücklich festgelegt, daß sich auch die Patres daran beteiligen müssen. Im Grund haben Patres und Brüder auch die gleiche Aufgabe: Sie sollen dazu beitragen, daß „alle Menschen Gott kennenlernen, ihn lieben und für alle Zeit und Ewigkeit glücklich werden", wie P. Claret es einmal ausdrückte. Der einzige Unterschied liegt darin, daß die Patres diesen Grundauftrag durch ihren Dienst als Priester erfüllen, die Brüder dagegen in vielen anderen Berufen. Verkündigung mit anderen Mitteln... Bereits in den ersten Jahrzehnten nach der Gründung der Claretiner haben Brüder außerhalb der Schule Religionsunterricht für Kinder erteilt und Jugendgruppen geleitet. Von nicht zu überschätzendem Wert sind Gespräche mit einzelnen Menschen über Glaubens- und Lebensfragen. Hier sind Brüder immer wieder gefragt, besonders dann, wenn jemand die Meinung eines nicht theologisch gebildeten Christen hören will, der ganz aus seinem Glauben lebt. Auch Briefkontakte sind oft apostolisch fruchtbar. Schon lange haben Brüder die Verbreitung religiöser Druckschriften übernommen. In den letzten Jahren sind die audiovisuellen Medien (Dias, Filme, Tonbänder) als neuer Bereich hinzugekommen. Von anderer Art ist die Aufgabe vieler Brüder in den Missionen. Dort sind besonders handwerkliche und technische Fähigkeiten gefragt. Hier wächst mancher Bruder wirklich über sich selbst hinaus und leistet weit mehr, als man von seiner Ausbildung her erwarten würde. Ohne Brüder wäre eine Mission in Ländern der Dritten Welt wesentlich schwieriger. Daneben leisten sie aktive Entwicklungshilfe, indem sie Einheimische anlernen und ausbilden. So machen sie deutlich, daß sich die Frohe Botschaft an den ganzen Menschen richtet. Vollen apostolischen Wert hat auch jede andere Tätigkeit von Brüdern, die dazu beiträgt, daß andere sich mehr für die Verkündigung der Frohen Botschaft einsetzen können. In gewissem Sinn läßt sich eine Ordensgemeinschaft - wie die Kirche - mit einem Leib vergleichen, in dem die einzelnen Glieder verschiedene Tätigkeiten ausführen, wo aber jedes unentbehrlich und gleichzeitig auf die anderen angewiesen ist. In diesem Sinn erscheinen auch so „weltliche" Berufe wie z. B. Gärtner, Koch, Schreiner oder Pförtner, um nur ein paar zu nennen, in einem anderen Licht. Die vielen verschiedenen Tätigkeiten der Brüder illustrieren die Aussage des Zweiten Vatikanischen Konzils, daß die Verkündigung des Evangeliums nicht nur Sache der Priester ist. Sie geht jeden an, und jeder kann auf seine Weise dazu beitragen. Nicht Abitur oder Hochschulstudium sind dafür die wichtigsten Voraussetzungen, sondern ein lebendiger Glaube, der sich im täglichen Leben bewährt. Stimmen unserer Brüder... „Wie ich auf den Gedanken kam, Claretiner zu werden, kann ich mit einfachen Worten nicht sagen. Man kann ein Gewächs nicht fragen: Warum bist du eine Blume geworden? Ein anderes kann man nicht fragen: Warum bist du ein Baum geworden? Es liegt etwas, ich möchte sagen, Übernatürliches vor, eine Berufung. Sind nicht auch die Jünger Jesu berufen worden? Mein Wunsch war, als Handwerker in die Mission zu gehen. Und dieser Wunsch wurde mir erfüllt und darin finde ich die Erfüllung meines Lebens. Mein Einsatz ist der technische Bereich, angefangen von Reparaturen von Fahrzeugen und Maschinen. Ich habe die Licht- und Wasserversorgung zu gewährleisten. Weiter bin ich als Dreher und mit Schweißen beschäftigt, als Schmied und sogar Uhrmacher. Es gibt zahllose Aufgaben als Techniker und Handwerker in den Missionen. Da sind Lücken, die bei weitem nicht geschlossen werden können aus Mangel an fähigen, einheimischen Kräften. Darum bedauere ich sehr, daß sich so wenig junge Menschen für den Missionsberuf entschließen." * * * * * * „In meiner Jugend wurde ich gelehrt, um die richtige Berufswahl zu beten. `Jesus, führe mich dahin, wo du mich am besten brauchen kannst', so betete ich oft bei der hl. Messe. Er hat mich nach Weißenhorn zu den Claretiner geführt. Dort erlebte ich die Brüder als eine frohe Gemeinschaft, in der ich mich wohl fühlte. Meine Eltern waren einfache Leute. So wurde ich Bruder. Man mag sagen, es war ein Zufall. Aber ich habe diesen Zufall als Gottes Führung angenommen und bin damit glücklich geworden - soweit man hier auf Erden von Glück reden kann. Das wahre und endgültige Glück erwarte ich in der Ewigkeit. An Arbeit gibt es für einen Bruder keinen Mangel. Ich war meist im Haus beschäftigt, habe gekocht und überhaupt mich bemüht, daß meinen Mitbrüdern in dieser Beziehung nichts fehlt. So kann ich jungen Menschen nur empfehlen, sich bei ihrer Berufswahl von Gott führen zu lassen. Für jeden gibt es den Platz, wo Gott ihn braucht, davon bin ich überzeugt."... „Ich erinnere mich noch gut daran, als ich 1948 in Weißenhorn meine ersten Gelübde abgelegt hatte. Schon lange war ich von der Idee begeistert gewesen, Ordensmann zu werden. Dieser Gedanke mußte im Noviziatsjahr eine Entwicklung und Reifung durchlaufen, bis ich sagen konnte: `Nun ist es soweit. Der Weg ist offen, und der Wille ist da, diesen Weg zu gehen.' Ich war voller Freude und meine Mitbrüder, Freunde und Bekannten freuten sich mit mir. Ich habe den Sinn des Lebens in Diskussionen und Gesprächen gesucht. Aber erst als das Herz in Freude erwachte, habe ich ihn gefunden und dabei auch den Weg in den Ordensstand. Nach über 30 Jahren kann ich sagen: Das Ordensleben ist für mich eine Quelle der Freude!" Anregungen:
-Brüder in der Gemeinschaft werden als Vollmitglied gesehen -Gemeinsame Aufgebe von Patres und Brüdern -Tätigkeit der „Brüder“ -Vergleich Ordensgemeinschaft – Leib -Voraussetzung für den Beruf „Bruder in der Ordensgemeinschaft“ -Bezug zum 2. Vatikanischen Konzil -Aufgaben der „Brüder“ in der Mission -Empfehlung eines Bruders bzgl. Berufswahl -Begriffe: „Bruder“, Gelübde, Berufung, Konzil
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